Mit dem Flieger hat es dann doch geklappt: Abflug Donnerstag 16:55 Uhr FFM, dann nach 3-stündigen Aufenthalt in Casablanca um 01:30 Uhr Landung in Bamako: die Flugroute wich also nur geringfügig von der ursprünglich geplanten Landroute ab.
Am Flughafen wurden Johannes Albers und Praktikantin Nike Dieterich von Lakami Maguiraga, Mitarbeiter einer befreundeten NGO, in Empfang genommen. Auf seiner geräumigen Dachterasse konnten sie bei angenehmen 20 Grad gegen halb vier Uhr früh endlich zur Ruhe kommen.
Der Schlaf währte nur kurz, denn ob des nahen Wochenendes winkte der Terminkalender mit zahlreichen Einträgen für den heutigen Freitag. PAM, Welthungerhilfe und GIZ waren bereits von Deutschland aus kontaktiert worden, die Ansprechpartner waren aber, wie sich herausstellte, heute nicht anwesend.
Ein wichtiger Termin allerdings klappte: bei der deutschen Botschaft in Bamako konnte der Antrag auf Unterstützung beim Bau der Schulkantine in Fangasso eingereicht werden.
Neue Planung steht – Flug nach Bamako am 21. Januar 2016
Überglücklich, die letzte Passage doch ohne weitere Zwangspause genommen zu haben, wurde erst einmal beratschlagt, wie es nun weitergehen könnte. Schnell war klar: es geht nur per Flugzeug, sodaß ein Flug für den 21.1.16 gebucht wurde. Leider hatten sich die Visabedingungen für Mali laut Mali-Botschaft in Berlin geändert: es würden keine Visa mehr am Flughafen ausgestellt und die Botschaft in Berlin erteilt diese nur Di und Do von 9-12 Uhr. Bad News!
Der Wettlauf mit der Zeit
Per Expressbrief schickte Nike Dieterich, die im Rahmen eines Praktikums mit nach Mali fährt, ihren Pass von Mainz nach Göttingen, welcher auch um 7:45 Uhr eintraf. Danach sofort ins Auto und ab nach Berlin! Jetzt durfte nur kein Stau oder Schnee kommen, sonst wäre alles vergebens.
11:45 Uhr Ankunft Botschaft Mali in Berlin
Manchmal muss man auch mal Glück haben, denn kurz vor Schluss konnten die Pässe abgegeben und um 14 Uhr wieder abgeholt werden. So etwas heißt dort Express Visa und kostet 100 Euro. Relaxt konnte die Rückfahrt angetreten werden, die dann auch entsprechend länger brauchte.
Material und Auto zwischengelagert
Trotz scharfem Frost und Schneegestöber konnte mit Peters Hilfe unter Einsatz von Starthilfe und Startpilotspray der Ford Transit reanimiert und auf einen sicheren Platz zum Überwintern gebracht werden. Wenn die Witterungsverhältnisse sich verbessern kann mit der Fehlersuche begonnen werden.
Plan: Morgen Abflug
Morgen um 16:55 Uhr startet die Maschine über Casablanca und wird voraussichtlich um 0:55 Uhr in Bamako eintreffe. Dank Unterstützung von Peter Brucker von der Mali-Hilfe werden wir dort von seinem Freund Lakami Maguiraga erwartet, der uns bei der Fahrzeugsuche behilflich sein wird, denn: diesmal sind wir ja ohne unterwegs!
5.500 Kilometer, die längste Probefahrt der Welt – Göttingen – Tanger – Göttingen
Ein Tag hektischem Informationsaustausch machte klar: das medizinische Equipment ist auf die Schnelle nicht unterzubringen. Bisher stand die Fahrt nicht unter einem guten Stern. Drei Optionen standen zur Wahl.
- Entsorgung des Materials und erneut in Marokko einreisen
- Fahrzeug und Material in Spanien lagern und von dort nach Mali fliegen
- Rückfahrt nach Göttingen und von Frankfurt fliegen
Eine Entsorgung wurde umgehend verworfen – wie sollen wir das den Spendern erklären? Alles stehenlassen könnte auf Dauer weitere Kosten verursachen wie Batterie tot, Bremsen fest und den Handlungsspielraum einengen. Von Deutschland aus gibt es noch die Option des Transports via Container.
Entscheidung Rückfahrt – 2.750 lange Kilometer
wurden dann am Donnerstag, den 14. Januar in Angriff genommen. Die ersten 1050 km bis Agurain waren trotz Nebel und einer kalten Übernachtung vor Burgos bis zum 15. Januar recht schnell abgespult. In Agurain gab es von Mecki noch eine Stärkung und weiter ging´s Richtung Heimat. Alles schien gut zu laufen, doch 50 km vor Bordeaux kamen die Probleme. Der Motor zog nicht mehr, im Stand ging er sofort aus. Die Dieselzufuhr zog Luft – aber wo? Nachsehen und reparieren – allein unmöglich, ein Werkstattbesuch am Samstagnachmittag war auch keine Option – also was tun?
Das große Zittern – 1.700 km ohne Pause
Diesel zieht Luft – dabei läuft der Dieselkraftstoff im Stand zurück in den Tank, Starten wird unmöglich. Das Fahrzeug muss auf Touren gehalten und Steigungen mit Anlauf genommen werden, sonst verhungert der Motor am Berg. Das bedeutet Stress ohne Ende, denn auch Mautstellen, Staus oder Tankstopps werden zur nervenfressenden Herausforderung. Trotz Stau in Bordeaux und Schnee in Belgien konnten die 1700 km in 19,5 Std. bewältigt werden.
Resümee der „Probefahrt“ mit dem Ford Transit
Positiv
- Starker 2,5 Liter Diesel, der kein Öl braucht
- Viel Platz für Ladung
- Stoßdämpfer, Aufhängung und Fahrwerk gut
- Getriebe und Antrieb top
- Alles funktioniert, dazu zwei Jahre TÜV
- Bequemer Fahrersitz
Manko:
- Kein Renner – für Europa zu langsam
- Rost an der Karosserie – Schönheitsfehler
- Extrem laut ab 100 km/h
- Schiebetür lässt sich mit Schlüssel nur ab- nicht aufschließen
Der Ford ist ein echtes Arbeitstier und kann viel zuladen. Der Motor ist stark, allerdings im oberen Drehzahlbereich sehr laut. Er braucht kein Öl und ist ohne die Dieselundichtigkeit für Westafrika hervorragend geeignet. Für Europa ist er allerdings nicht anzuraten, da man auf Dauer Ohrensausen bekommt.
Terror in Burkina Faso: Mindestens 26 Tote bei Anschlag
Stundenlang hielten Attentäter mehr als 120 Menschen in einem Hotel in Burkina Faso als Geiseln. Bei der Befreiung gab es über 20 Todesopfer. Im Norden wurde ein westliches Ehepaar gekidnappt.
Der islamistische Terror erreicht Burkina Faso. Vermummte Angreifer brachten am Freitagabend über Stunden das bei Ausländern beliebte Luxushotel Splendid in der Hauptstadt Ouagadougou in ihre Gewalt. Über hundert Menschen nahmen sie als Geiseln. Sicherheitskräfte stürmten das Gebäude am Samstagvormittag gemeinsam mit französischen Truppen.
Bilanz der Terrorattacke: Mindestens 26 Menschen sind tot, weitere 56 wurden teils schwer verletzt.
Mehr
Mali Hilfstransporter zurück in Algeciras – keine Lösung für Weiterfahrt gefunden
Algeciras, 05.01.2016
Wie berichtet hat der Zoll in Tanger Med am Montag Fahrzeug und Inhalt beschlagnahmt. Die Zwangspause musste weitgehend im Hotel in der Nähe dieses Hafenmolochs verbracht werden. Am Dienstag ging es ab 9 Uhr daran, die erforderlichen Dokumente zu erhalten und eine Odyssee im Hafen begann.
Mit Shuttle Service, Taxi oder per Pedes wurden so 30 km von Port zu Port zurückgelegt. Selbst mit professioneller Hilfe von dem freundlichen Transiteur Mohamed war keine Transit-Genehmigung zu erreichen, aber zumindest die Zurückerlangung des Kleinbus nebst Inhalt. Nach schier unendlichem Papierkrieg und Diskussionen ging es zurück nach Algeciras. Dort musste der Wageninhalt nicht nur neu sortiert werden, sondern auch der sinnvolle Verbleib desselben organisiert werden, denn eines war klar: ein erneuter Einreiseversuch ging nur ohne das beanstandete medizinische Material. Eine reghafte Kommunikation mit vielen Beteiligten via WhatsApp begann.
Mecki und ihre Freunden aus Agurain telefonierten mit allen möglichen
NGOs wie Ärzte ohne Grenzen, Apotheker ohne Grenzen Rotes Kreuz etc. Aber es konnte kein Abnehmer gefunden werden. Allen Basken, ganz speziell Mecki, ein herzliches Dankeschön für die freundliche Aufnahme und der Hilfe bei der Suche nach einer Organisation für das Material.
Da sich keine Lösung des Problems fand musste ein Neustart abgesagt werden. Die Suche nach Alternativen begann. Was tun?
Marokkanischer Zoll stoppt Hilfstransport für Mali in Tanger Med
10.01.2016 Tanger Med/Marokko
Nach 2750 Kilometern Fahrt ist es erst mal vorbei. Heute erklärte der marokkanischen Zoll das medizinische Güter eine Genehmigung des Gesundheitsministeriums benötigen. Das Auto samt Inhalt wurde beschlagnahmt und verschlossen. Am Sonntag und den folgenden Feiertag bleibt das Büro des Ministeriums geschlossen und es ist unklar wie es weiter geht.
Dies scheint nicht der erste Fall zu sein, denn wie recherchiert, kam es 2014 schon mal zu so einer Konfiszierung, siehe: Charity Rallye droht das Aus
Am Dienstag kann mit dem Gesundheitsministerium gesprochen werden, da hoffen wir, dass es uns nicht so ergeht wie den Frankfurtern. Hier kann die Liste eingesehen werden: Liste du matériel
Malifahrer hat 2. Etappe erfolgreich absolviert

gefüllter Fisch an Bord: ab jetzt muss z.T. mehrmals täglich so ein fiche (französch für Zettel, sprich: Fisch) ausgefüllt abgegeben werden: je weiter nach Süden und grenznah, desto öfter
Auch die Fahrt vom Baskenland zur Afrikafähre in Algeciras war schwer vom Wetter beeinflusst: für die ersten 400 Autobahnkilometer brauchten Gefährt und Gefährte bei starkem Gegenwind 6 Stunden! Entsprechend spät fand Fahrer Albers einen Ruheplatz 100 km vor Algeciras – nur um entsprechend früh wieder loszufahren: es galt, noch heute die Fähre zu erreichen.
Was auch klappte: als allerletzter Passagier konnte auf der 11 Uhr Fähre zum Hafen Tanger Med eingecheckt werden.
Ambitioniertes Tagesendziel für heute: das 600 Autobahnkilometer entfernte Marrakesch. Wir wünschen in Anbetracht der Windwetterlage (bis 17km/h aus Südost) mässige Gegenwinde.
1. Etappe geschafft: Baskenland erreicht
Dauerregen und permanenter Gegenwind machten Hannes Albers auf dem ersten Streckenabschnitt Göttingen – Baskenland schwer zu schaffen. Nach 1700 km kam er erst abends gegen 19:30 Uhr am Zielort an. Dort wurde heute am vertrauten Platz bei bei 13 Grad und Sonnenschein der Wagen inspiziert: Öl- und Wassercheck und – wie jedes mal – nochmal Verstauung und Fixierung der Teile der Ladung, die während der Fahrt in Bewegung geraten waren oder die Lebensabläufe im Bus behinderten. Musste der Fahrer bei Paris noch bei 4°C auf der Sitzbank schlafen, steht dafür ab jetzt die Liege zur Verfügung.
Morgen wird die 2. Etappe in Angriff genommen: die 1000 km lange Strecke zur Fähre nach Algeciras.
Zum zweiten Mal entführt – Islamisten verschleppen Schweizerin in Mali
Die Sicherheitslage im westafrikanischen Mali bleibt angespannt. Immer wieder kommt es zu Entführungen durch Islamisten. Diesmal ist das Opfer eine Schweizerin. Schon einmal war sie in die Fänge von Dschihadisten geraten.
In Mali ist eine Schweizerin von Unbekannten entführt worden. Die seit mehreren Jahren in dem Land lebende Frau sei in der Nacht zum Freitag von Bewaffneten aus ihrem Haus in Timbuktu verschleppt worden, sagte ein Vertreter des Gouverneursamtes von Timbuktu. Sicherheitskreise bestätigten die Angaben. Die Frau arbeitet in der Region laut „Neuer Zürcher Zeitung“ seit Jahren als Missionärin.
Die Frau war bereits im April 2012 ein erstes Mal von Islamisten verschleppt worden. Nach Vermittlungen durch die Regierung von Burkina Faso Weiterlesen
Abfahrt Mali 16:30 Uhr
Am Vorabend war der Wagen bereits gepackt (Packliste hier), dennoch haben die weitern Fahrtvorbereitungen länger gedauert als erwartet: erst am späten nachmittag ist Hannes Albers mit dem Transport für und nach Mali aus seinem Heimatort bei Göttingen losgekommen.
Gefahren wird mit einem 20 Jahre alten Ford Transit in Tourneo-Ausstattung. Das hohe Alter erforderte einen 2tägigen 2-Mann-Einsatz nur für die umfangreichen Schweißarbeiten. Diese haben sich aber gelohnt: Rost wird in Mali kein Problem mehr dastellen. Mit lediglich 112000 km auf der Nadel kann der 2,5 Liter grosse Dieselmotor als gerade mal eingefahren bezeichnet werden und bei ausreichender Pflege leicht das 2-3fache leisten. Die solide Saugdieseltechnik bereitet KFZ-Werkstätten in Westafrika keinerlei Wartungs- und Reparaturprobleme. Der gesamte Bus wirkt vor allem innen sehr gepflegt.
70 PS sind für Malis Strassen mehr als ausreichend, werden dem Fahrer bei der ca. 7000 km langen Anreise aber einiges an Geduld und Zeit kosten. Zusätzlich erschwert wird die Fahrt bis zum ersten Zwischenstopp im Baskenland durch den für die Strecke gemeldeten anhaltenden Regen.
Diese 4. Tour zum Zielort Fangasso ist von besonderer Bedeutung, da die entscheidende Phase des Schulgartenprojektes eingeleitet wird: der Bau der Schulkantine. Auf Hannes Albers wartet sowohl in Fangasso als auch in der Hauptstadt Bamako ein prall gefüllter Terminkalender zur Aushandlung und Vertragsabsicherung des Bauvorhabens bei diversen Behörden, Organisationen, Gremien und Firmen.
Gute Reise, Hannes, und komm´ heile wieder!





